Mal wieder Zeit für Emotion, Wärme, etwas Sanftes? Lydia hat Entenbrust vom Markt mitgebracht und ich höre Melody Gardot „Live in Europe“.
Eines vorweg: Das Cover der Platte zeigt Nacktheit, mag sein, dass das einen Ausschluss aus dem Meta-Universe nach sich zieht, denn nackte Haut ist ja so ungleich gefährlicher als Blut, Gewalt und Hass. Sei’s drum. Melody Gardot hat zu diesem Cover ganz explizit in einem Interview mit Romain Burrel im Numéro Stellung bezogen: „For me an album cover is like a movie poster. I wanted an image that was pure femininity, which could please a sculptor. I went through a lot of suffering. But managing to stand up nude on stage carrying a guitar is a victory.“
Sieger in Harmonie, Arrangement und Klang ist dieses Album allemale. Ein Live-Album, das Dir den Eindruck gibt, nicht als Bootleg-Mitschnitt daher zu kommen, sondern so authentisch, dass Du bei geschlossenen Augen direkt vor der Bühne sitzt, ist es wert, laut gehört zu werden. Das sind 16 Titel aus über 300 Konzerten von den Bühnen Europas aus den Jahren 2012 bis 2016, das erste, das Gardot bei Decca veröffentlicht hat. Eine echte Empfehlung.
Ente sous vide
Und Heiko Antoniewicz hat auch eine Empfehlung, dabei geht es um die Ente. Inspiriert von ihm habe ich die ins Sous Vide-Becken bei 65 Grad Celsius gelegt und warte auf ihre Kerntemperatur von 56 Grad Celsius, um sie danach heiß und kross auf der Haut anzubraten. Unterdessen kommen die Mitspieler zu Wort. Sechs Rotgarnelen arrangieren sich zu einem mit Yuzu und Nem gewürzten Tartar, eine Karotte wird in Brunoise geschnitten, eine Frühlingszwiebel, eine Chilli und Fenchelsprossen gesellen sich dazu. Das ganze kommt zusammen mit Rote-Beete-Saft, der mit Agar Agar aufgekocht wird, in eine Form und kühlt ab.
Unterdessen entsteht aus den Garnelenköpfen und Schalen ein Jus, der stark eingekocht allein mit heller Soja-Sauce gewürzt wird. Abgebunden mit etwas Xanthan kommt der jetzt in einen ISI Syphon und wird dort mit dem Infusion Set eine halbe Stunde mit Orangenschalen parfümiert.
Das ergibt später die Sauce für die Ente, die dann die Verbindung zu den Garnelen-Riegeln herstellt. Die werden auf einem Birnen-Rotwein-Sahne-Schaum angerichtet und von Erbsen mit Kräuterseitlingen und Reis begleitet. Das ist Jazz auf dem Teller.

