Es ist angenehm kühl, dunkel und nur die Laternen am Boot und die Seezeichen spenden diesem frühen Samstagmorgen ein bisschen Licht. Aus dem Hafen von Friedrichshafen-Fischbach steuert der Berufsfischer Charly Liebsch sein Aluboot zunächst weit auf den See hinaus. Im Osten ist um diese Zeit, um kurz nach fünf Uhr, zu erahnen, dass dort die Sonne bald aufgehen wird. Die Eintagsfliegen auf dem Bootsrand wehren sich gegen den Fahrtwind, der eine nach der anderen erfasst und sie zu potenzieller Fischnahrung werden lässt. Den Rest holt sich die große Spinne, die scheinbar auf diesen Moment nur gewartet hat. Ein Netz braucht diese Jägerin nicht.
Charly Liebsch aber will seine Netze einholen, die er spätabends am Tag zuvor vor Seemoos gesetzt hat. Recht nah im Uferbereich zwischen dem Zeltlager Seemoos und der Zeppelin-Universität zeugen dieses Mal die bunten Auftriebskörper von diesen Netzen. Geschickt steuert der Fischer sein Boot auf eine der Bojen zu, nimmt diese mit einer Stange auf und korrigiert nur noch die Richtung des Bootes mit dem Außenbordmotor. Die Fahrt ist erst einmal vorbei.
Der Wels und der Bodensee
Charly Liebsch holt Meter für Meter das grobmaschige Netz ein. Bei dieser Maschenweite müssen sich Felchen, Forellen oder Barsche nicht fürchten, die schwimmen da einfach durch. Große Hechte und Welse aber verfangen sich und werden so zur Beute. „Früher haben wir die Welse gar nicht registriert“, sagt der Fischer. „Wir haben ab und an mal einige kleinere Exemplare im Beifang gehabt. Große Exemplare gab es da kaum und wir haben sie auch nicht gezielt befischt.“
Das ist jetzt anders. Die Netze, die Charly Liebsch vor Seemoos gesetzt hat, sind für die Welse und große Hechte gedacht. Auch andere Fischer in Vorarlberg und am bayrischen Ufer fischen gezielt die Welse. Deren Bestände haben sich im See enorm gesteigert und das liegt am immer wärmer werdenden Wasser. Der Wels ist ein echter Klimawandel-Gewinner, er breitet sich auch in anderen Gewässern enorm aus. Am Gardasee sind von den Behörden bereits Fangprämien ausgesetzt worden, weil der Wels schließlich fressen muss – und das geht zu Lasten der Arten, die bislang in dem biologischen Gleichgewicht keine Probleme mit dem Spitzenprädator Wels hatten. Mehr Informationen gibt es in meinem Artikel der Schwäbischen Zeitung: https://www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/ein-raeuber-erobert-den-bodensee-und-es-werden-stetig-klimawandel-4784725
Wels wird hier in kürze zu verschiedenen Gerichten und Rezepten verarbeitet. Das erste ist
Wels auf gewürztem Reis mit Aubergine
Der Reis wird mit Sansho-Pfeffer, Ingwer, Petersilie, Piment d‘ Espelette und Mangowürfelchen gewürzt. Nach dem Garen in Hähnchenfond wurden Butter und ein rohes Eigelb untergemischt. Der Wels – im Beitrag der 1,99 Meter-Wels – wurde lediglich eine Stunde in 6-prozentige Salzlösung und 10 ml Sojasoße mariniert. Danach wird er mehliert und angebraten und kommt zusammen mit der japanischen Aubergine neben und auf den Reis.
Das Gemüse und die Kräuter stammen von Tobias Kieferle (Viertelhektar.de) Als Weinempfehlung gibt es einen Gavi von Marleen Sturm – vintage1989.v Der Wein ist von der Cortese-Traube aus dem Piemont und passt mit seinem mineralischen Charakter wunderbar zu diesem Fisch.

Und die Musik? Das waren heute die Wellen des Bodensees.

