„Auch in der Nazizeit war Spargelzeit“

„Auch in der Nazizeit war Spargelzeit“, so lautet der Titel eines Stücks, das Paul Sies unlängst veröffentlichte. Dazu – was bleibt mir übrig: Spargel. Und dazu eine Karpfen-Ceviche, zu der es Wichtiges zu sagen gibt.

Der Song kommt zur richtigen Zeit. Hier der Text. Hört oben rein.

Auch in der Nazizeit war Spargelzeit

Opa zieht mit dem Panzer durch das Schtetl
Der Wald ächzt neblig
Die Bäume klamm
Schwarze Erde blutgetränkt
Ein Partisan unter Krähen an einem Baum erhängt
Opa der zitternd immer wieder nur an Oma denkt.

 

Die sitzt mit ihren Freunden in der Sonne isst ein Schnitzel
Schwarzrotweißer Schirm
Gegen die Hitze
Und das Bier ist herrlich kalt
Im Hintergrund nur unscharf
Die Schornsteine von Buchenwald.

 

Das Gerücht über die Juden
Der Geruch von Senf
Riecht Opa unter seiner Maske alles ist versengt
Und plötzlich stehen hier Menschen
Noch ein Mensch und noch ein Mensch
Oder hundert die zu Schubertklängen in der Scheune brennen
Schieß drauf Opa
Stell sie an die Wand
Du kannst nichts dafür
Du dienst nur deinem Land
Mach die Augen zu
Und stell bloß keine Fragen
80 Jahre später sag ich
Auch du warst im Widerstand.

Ich bin Enkel von Mördern

Ich bin Enkel von Mördern
Doch sie könnens gut verstecken
Unter Blümchentischdecken
Liegt das Grauen liegt das Messer.

 

Ganz normale Deutsche
Haben nichts gewusst
Ziehen unter die Geschichte
Endlich einen Schlussstrich.

 

Enkel von Monstern
Doch es wird nie befreit
Nimm dir nach von den Kartoffeln und vergiss nie
Auch in der Nazizeit war Spargelzeit.

 

Heute
Bin ich ein guter Mensch
Ich bin Demokrat
Sowas könnt mir nicht passieren
Ich verüb ein Attentat
Auf den Führer
Wenns je wieder soweit kommt siehst du mich nicht vorn dabei
Sondern Untergrund Widerstand Partisanenstyle.

 

Das dacht ich als ich jung war
Ich bin doch kein Rassist
Die Welt ein freier Ort
Wo nichts in Stein gemeißelt ist
Die Nazis ewig her
Und das waren andre Wesen
So wie Aliens oder Monster
Aber keine echten Menschen.

 

Heute seh ich die Kontinuitäten
Die Linien die von meinem Opa führen
Bis zum Massaker in der Ukraine
Von Goebbels zu Höcke
Neuer Glanz für alten Dreck
Wir haben sie nicht gesehen
Doch die Monster waren nie weg.

 

Und was rede ich von Monstern
Das waren ganz normale Männer
Klein beleidigt und gekränkt
Karrierewillen kleine Gangster
Mit Mutterkomplexen und von guten Schulen
Sieh dir Deutschland heute an
80 Jahre weiterspulen.

 

Es gibt endlich wieder blonde Männer stolz auf ihr Land
Zweitstärkste Kraft
Und jeder der da nicht reinpasst
Friert hier schon so lang
Doch ich hab meine Karriere
Weisst du es ist kompliziert
Muss an die Kinder denken
Man ich kann nicht emigrieren.

 

Und so lieg ich in der Wanne
Was ist nur mit mir geschehen
Will so gerne protestieren
Doch das ist so unbequem
Meine weichen schwachen Hände
Haben keinen blassen Schimmer
So geht die Welt zugrunde
Nicht mit einem Knall
Sondern mit Gewimmer.

 

Ich bin Enkel von Mördern
Doch sie könnens gut verstecken
Unter Blümchentischdecken
Liegt das Grauen liegt das Messer.

 

Ganz normale Deutsche
Haben nichts gewusst
Ziehen unter die Geschichte
Endlich einen Schlussstrich.

 

Ich bin Enkel von Monstern
Doch es wird nie befreit
Nimm dir nach von den Kartoffeln und vergiss nie
Auch in der Nazizeit war Spargelzeit.

 

Und dann der Spargel

Den Spargel habe ich mit Butter in der Pfanne abgebraten. Danach mit Weißwein abgelöscht und weiter geschmort. Es sollte auf jeden Fall noch bissfest bleiben. Als Sauce kam eine aus hartgekochten Eiern, Salz, Senf und weißen Balsamico-Essig sowie etwas Rapsöl gemixte Mayonaise dazu. Diese Art der Mayo benötigt sehr viel weniger Öl. Die Bindung entsteht nicht aus der Ei-Öl-Emulsion, sondern durch die Struktur der harten Eier. Der Mixer dafür sollte einiges an Umdrehungen können. Mit dem Zauberstab alleine geht das nicht.

 

Der Karpfen liegt auf Säure

Aus dem Karpfen, dem übrig gebliebenen Teil mit den vielen Gräten, ist eine Cevice geworden. Dabei gart der Fisch, den ich Sashimi geschnitten habe, durch die Säure des Limettensaftes, in der der Fisch über Nacht lag. Das Ergebnis war ganz anders, als die Ceviche, die ich gemacht habe. Der Fisch war cremig. Von den Gräten zwar keine Spur. Aber ein Karpfen, der derart cremig ist, dass man gar keine Struktur mehr fühlt, geht nicht. Entweder war er zu dünn geschnitten oder die Zeit in der Säure war zu lang. Normalerweise reichen mir da zwei Stunden. Geschmacklich aber passte das alles sehr gut zusammen. Auch Karpfen kann Ceviche. Nächstes Mal aber anders zubereitet.
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner